22 Feb

Studie: Die Liederbuch-Affäre. Der Skandal um Udo Landbauer und die p.B! Germania

Studie: Die Liederbuch-Affäre. Der Skandal um Udo Landbauer und die p.B! Germania

Am 28. Jänner 2018 fand die letzte niederösterreichische Landtagswahl statt. Der richtungsweisenden Wahl war die Liederbuch-Affäre vorausgegangen: Dem FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer wurde vorgeworfen, seine Burschenschaft würde ein Liederbuch verlegen, das „den Judenmord und das Nazi-Regime verherrlicht“. Die Affäre sorgte für heftigen Wirbel und beeinflusste nicht nur die öffentliche Meinung über Burschenschaften, sondern auch die Landtagswahl maßgeblich. Der Arbeitskreis Nautilus veröffentlicht deshalb erstmals eine kritische Aufarbeitung der Liederbuch-Affäre, im Rahmen derer auch erstmals ein Ersteller des Liederbuches zu Wort kam.

Die Affäre begann mit einem Bericht der Wiener Stadtzeitung Falter über das Liederbuch der pennalen Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt. Kaum bekannt: Bereits zwei Tage zuvor versuchte ein linker Aktivist im profil, Udo Landbauer ebenfalls „NS-Liedgut“ vorzuwerfen. Während der erste Fall auf keine nennenswerte politische Resonanz stieß, löste der Falter erfolgreich einen Skandal aus.

Veröffentlichung des Falter

Die Falter-Chefreporterin Nina Horaczek war an ein Liederbuch der Burschenschaft aus dem Jahr 1997 gelangt. Horaczek behauptete im Vorabbericht zu ihrem Artikel, dass darin der „Judenmord und das Nazi-Regime verherrlicht werden“. Sämtliche Medien verbreiteten die Vorwürfe noch vor Erscheinen des eigentlichen Artikels und die Opposition forderte den sofortigen Rücktritt von Landbauer – fünf Tage vor der Landtagswahl.

Die Liederbuch-Affäre wurde zum zentralen Medienereignis. Dabei waren schon beim Bericht des Falter zwei Punkte auffällig: Der Falter verwendete, obwohl das Liederbuch bereits im Jahr 1997 herausgegeben wurde – 20 Jahre vor dem Bericht -, die Gegenwartsform „verlegt“ und suggerierte damit, dass es auch gegenwärtig verlegt werden würde. Außerdem wurde aus dem Vorwurf der Verherrlichung im eigentlichen Artikel ein “Späße treiben” – zu spät, denn die Vorwürfe waren bereits in aller Munde.

Vorwürfe unhaltbar

Die Studie untersuchte erstmals die medialen Vorwürfe, die im Laufe der Affäre von verschiedenen Akteuren erhoben wurden. Der bekannteste davon war, dass es sich bei dem Liederbuch der p.B! Germania um ein „Nazi-Liederbuch“ handle. Schon die quantitative Bedeutungslosigkeit der größtenteils fälschlich inkriminierten Lieder ließ Zweifel aufkommen: So wurden gerade einmal acht von über 400 Liedern überhaupt zum Thema der öffentlichen Debatte. Bei keinem einzigen handelte es sich um ein Indiz für eine nationalsozialistische Gesinnung. Auch wurde von keiner Seite der Versuch unternommen, den Begriff näher zu bestimmen oder auf den Umstand einzugehen, dass sich unter den Liedern auch das anti-nationalsozialistische Lied „Die Moorsoldaten“ befindet. Der Vorwurf musste deshalb als grob willkürlich zurückgewiesen werden.

Auch der Rassismus- und Antisemitismus-Vorwurf hielten der näheren Überprüfung nicht stand. Insbesondere die zwei Zeilen aus dem Liederbuch, die im Zentrum der Affäre standen, mögen zwar als moralisch verwerflich aufgefasst werden, was auch vonseiten der FPÖ, von Landbauer und der Burschenschaft kundgetan wurde -, antisemitisch wird das Liederbuch dadurch nicht. Dies muss auch vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass die Burschenschaft das Liederbuch kurz nach Herausgabe aus eigenem Antrieb schwärzte. Ein Gutachten des Bundeskriminalamtes – das eine Schwärzung lange vor der Affäre bewies –  verschaffte dieser Aussage der Burschenschaft eine hohe Glaubwürdigkeit.

Fragwürdige Skandalisierung

Die Skandalisierung kurz vor der Landtagswahl verschob den Fokus der Landtagswahl von langfristigen Sachfragen auf den medialen Verdacht gegenüber Landbauer. Eine Art von Berichterstattung, die von Wissenschaftlern als problematisch und manipulativ betrachtet wird. Allerdings sind solche Skandalisierungen kein neues Phänomen in der österreichischen Medienlandschaft, wie berühmte Fälle wie die Waldheim-Affäre 1986 oder die Silberstein-Affäre 2017 zeigen.

Jedoch sorgte die Liederbuch-Affäre für besondere Kritik: Während das zwanzig Jahre alte, geschwärzte Liederbuch mit falschen Vorwürfen kurz vor der Landtagswahl zum zentralen Medienereignis avancierte, fand sich über einen Vorfall in der SPÖ bis einen Tag nach der Wahl keine Zeile in den Medien: Bei einem niederösterreichischen SPÖ-Gemeinderat wurden bei einer Hausdurchsuchung NS-Devotionalien und illegale Waffen gefunden – er stand im Verdacht seine Enkelkinder missbraucht zu haben und musste in Untersuchungshaft.

Hinzu kam, dass nur in Ausnahmefällen nicht-linke Experten zu Wort kamen. Bis auf wenige Ausnahmen – beispielsweise zwei Grazer Historiker – wurden ausschließlich einschlägige politische Gegner von FPÖ und Burschenschaften als objektive Experten präsentiert.

Kampagne statt Berichterstattung

Das Fazit der Studie: Die Affäre rund um das Germania-Liederbuch war auf vielen Ebenen problematisch: Unklare oder fehlende Definitionen, Vorverurteilungen und willkürliche Einordnungen durch politische Gegner, teilweise unter dem Deckmantel einer Expertenmeinung, waren dazu geeignet, die öffentliche Meinungsbildung über die FPÖ, über Udo Landbauer sowie über das burschenschaftliche Milieu in seiner Gesamtheit nachhaltig negativ zu beeinflussen.

Ablauf und Inhalt der Affäre legen den Schluss nahe, dass maßgebliche Akteure weniger vom Willen zur Aufarbeitung oder journalistischen Berichterstattung, denn zu einer Kampagne gegen die FPÖ auf Kosten der Burschenschaften am Vorabend der niederösterreichischen Wahl getrieben waren.

Die 80-seitige Studie ist kostenlos auf unserer Homepage abrufbar. Wenn auch Sie in der kritischen Aufarbeitung der Liederbuch-Affäre einen wichtigen Beitrag für die patriotische Zivilgesellschaft sehen, werden Sie noch heute zum Förderer unserer Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir uns weiteren Themen widmen, um daraus wertvolle Lehren für die Zukunft zu ziehen.

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